2022-11-27 Räuber, Motten und Messer

Einiges hat sich ja schon im näheren Umfeld herumgesprochen, aber für alle anderen und letztlich auch für mich selbst schildere ich nachfolgend einige Ereignisse der letzten Monate, die es wert sind, erwähnt und festgehalten zu werden.

Sei meinem letzten Beitrag im August war ich immer wieder an dem Punkt „Zeit, einen neuen Blogeintrag zu schreiben“, konnte mich aber letztlich stets aufs Neue selbst dazu überreden, dass da ja sicherlich noch einiges schöneres, wichtigeres oder spannenderes hinzukommen würde. Schauen wir also mal kurz chronologisch zurück.

Im September 2022 war der Verlust des Volks 002 wohl die einschneidendste Erfahrung. Das Einfüttern für den Winter hatte bereits begonnen (der Preis für stinknormalen raffinierten Zucker ist von 0,79 EUR auf 1,29 EUR pro kg gestiegen, schon gemerkt?) und ich war bemüht, dabei keine Fehler zu machen:

  • Nicht kleckern,
  • Nur abends füttern, wenn kein Flugbetrieb mehr herrscht,
  • Flugloch verkleinern,

alles Dinge, die mein bisheriges Wissen und die panische Suche nach Ursache und Lösung im Internet so hergeben und die im Allgemeinen als Kardinalfehler bekannt sind. Aber irgendwas hat doch nicht gepasst und so hatten sich hunderte hungrige Mäuler bei diesem Volk eingefunden.

So ging das zwei Tage, bis wir es bemerkten. Die fremden Räuber sind dort eingefallen und haben in kurzer Zeit das Volk so geschwächt und seine Vorräte gestohlen, sodass am Ende nur ein paar verwirrte Bienen auf den leeren Waben übriggeblieben sind. Da half es auch nichts mehr, das Flugloch von zwei auf eine Bienenbreite einzuengen und Zweige und Steine vor das Flugloch zu stellen. Auch ein kurzzeitiger 3-tägiger Verschluss führte nicht mehr zum Erfolg. Am Ende musste ich die Beute ausräumen, die leeren Rähmchen zum Ausschmelzen einpacken und hoffen, dass das direkt daneben stehende Volk 003 unbeschadet bleibt und sich die immer noch fliegenden Räuberbienen an der leeren Beute sattsehen und aufgeben. Auch wenn sie nach neuester Definition wohl nicht wirklich gestorben sind, sondern einfach nur nicht mehr atmen, fliegen, sammeln und summen…

R.I.P Volk002 😦

Und wenn wir gerade beim Sterben sind: Ganz nebenbei hat eine meiner Bienenstockwaagen sporadisch den Geist aufgegeben. Also nicht ganz, sondern nur immer wieder mal, nach etwa 2 bis 4 Tagen war sie nicht mehr erreichbar. Tot. Oder scheintot. DeepSleep sozusagen. Denn nach dem Ab- und Wiederanstecken der Batterie funktionierte sie wieder für weitere 2 bis 4 tage. Glücklicherweise war der Support des Herstellers nach einigen (anstrengenden) Versuchen per Internet-Chat bereit, die Elektronik zu tauschen.

Bienen sind eines, das normale – Zisch – Leben drumherum bekanntlich etwas gaaanz anderes. – Zisch – Auch da hat sich einiges getan, das – Zisch – getan werden musste und keinen Aufschub erlaubte. – Zisch – Während draußen vor Volk001 – Zisch – ein paar hartnäckige Hornissen wie die Geier über dem Kadaver kreisten, um – Zisch – sich im Flug eines meiner Mädels zu greifen,

hörte ich – Zisch – immer wieder dieses komische Zischen aus der Küche. – Zisch – Jeder weiß, so ein außerplanmäßiges Zischen heißt nichts Gutes – Zisch – und so ließ ich die sterbende Hornisse weitersterben – Zisch – und beschäftigte mich der Suche nach der Quelle des Zischens.

– Zisch –

Lange suchen musste ich nicht, so groß – Zisch – ist unser Ostflügel nicht, und der Übeltäter war relativ schnell – Zisch – gefunden: Meine Siebträgermaschine. Also Stecker raus, – Zisch – Gehäuse weggeschraubt – Zisch – und beobachtet – Zisch – woher dieses – Zisch – nervige Zischen kommt (für Ungeduldige ab Sekunde 15):

Zum Glück habe ich in den zwischenzeitlich mehr als 10 Jahren Lebensgemeinschaft mit diesem Maschiiensche (ja, die kommt aus Heidelberg) schon etwas Erfahrungen gesammelt und konnte das Leck selbst beheben. Herrichten und Verräumen des Werkzeugs dauerte fast länger als Ausbau, Säubern und Entkalken der betroffenen Teile. Nun läuft sie wieder und spendet zischfreien Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato.

Nach diesen beiden Schocks war höchste Zeit für Erholungsmaßnahmen und ein paar Kilometer weiter im nahegelegenen Schwarzwald hatten wir entschädigende schöne Momente und Gelegenheiten für Detailaufnahmen:

Wenn ich gewusst hätte… So beginnen viele Erzählungen über Geschehnisse im Nachhinein, die – wenn Ursache und Wirkung bekannt gewesen wären – viel Arbeit erspart hätten. In diesem Fall „Wachsmotten„. Was genau das ist und wie sie ihren Lebensunterhalt und ihr manchmal kurzes, aber intensives Dasein gestalten, kann man woanders nachlesen. Ich habe jetzt auch auf diesem Feld einschlägige Erfahrungen gesammelt und weiß, worauf ich künftig achte und was ich unbedingt vermeiden muss:

  • Ausgebaute oder gefüllte Rähmchen nicht in Kartons aufbewahren
  • Das Zukleben mit Kreppband hilft nicht
  • Rähmchen immer schnellstmöglich zur Wachsgewinnung einschmelzen
  • Nie verraten, was man denn schon wieder so lange rumpelnd und fluchend im Keller macht…

Der Plan:
Ich hatte mir vorgenommen, die beim Ausräumen von Volk003 stammenden Rähmchen irgendwann im Winter, wenn es draußen kalt ist und kein Flugbetrieb herrscht, auszuschmelzen und das so gewonnene Wachs für Kerzen oder ähnliches aufzubewahren. Von Wachsmotten hatte ich schon gehört und deshalb – in der Annahme, sie so fernzuhalten – die Kartons mit den Rähmchen fest verschlossen und mit Kreppband zugeklebt.

Wie es wirklich kam:
Von wegen „fernhalten“. Die Mistviecher hatten ihre Eier bereits in die Rähmchen gelegt und fraßen in den dunklen Kartons ganz gemütlich alles fressbare vor sich hin. Sogar das Kreppband. Und als mich wunderte, warum das ein paar Löcher hat und was da in den Kartons knistert und am Häuschen knuspert, fiel ich von den Socken [Achtung, verstörend eklige Bilder, nicht für Jugendliche unter 16 geeignet]:

Also schnell Kartons wieder zu und ins Freie, im Keller alles auf den Kopf gestellt und nach entkommenen Maden gesucht. Danach völlig durchgeschwitzt bis in die späte Nacht hinein auf der Terrasse den Dampferzeuger angeworfen, die Rähmchen in die Schmelztonne gesteckt und alles in 3 Durchgängen ausgeschmolzen. So eine *’§$%&“ !

Es gibt Fehler, die macht man in seinem Leben wohl nur einmal…

Apropos Fehler. Auch das ist passiert, über Monate, und erst im November behoben:

Für manche Männer stellt es sich als Fehler heraus, sich einen Bart wachsen zu lassen. Nicht nur, weil sich Bienen darin verfangen können, sondern weil ein Bart je nach Bewuchs und Alter den Träger ungepflegt erscheinen lässt, ihn noch älter macht, als man(n) eh schon ist und öfter mal juckt – trotz Waschen und Duschen. Wie gut, dass ich das Messer noch nicht weggeworfen habe – welcher Mann würde denn auch ein Messer wegwerfen. Sein MESSER?

Der Blutstiller war natürlich wieder notwendig, nachdem die Klinge doch nicht mehr so scharf war, wie gewohnt. Ich muss wohl wieder mal einen Messerschleiftag einlegen und das 10.000er Schleifstein für die Rasierschärfe herauskramen. Oder mich rechtzeitig daran erinnern, dass ich den hier, mit dem es etwas einfacher und ungefährlicher ist, ja auch noch habe:

So, das war’s für dieses Mal, genug für heute. Demnächst vielleicht noch mit Oxalsäure gegen die winterliche Varroa-Milben kämpfen und auf das Jahresende warten. Nur noch 2 mal duschen, dann ist Weihnachten. Oder Silvester. Je nach Gas-Großlage…

2022-08-12 Der Winter kommt…

Tja, was soll ich sagen schreiben? Die Hoffnung stirbt zuletzt? Es hätte (Fahrradkette…) schlimmer kommen können? Geduld und Demut sind wichtige Tugenden? Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt?

Na jedenfalls ist – anders als erwartet und erhofft – eine Honig-Ernte bei Volk 2 (Schwarmverlust) und Volk 3 (Schwarmvolk) ausgeblieben. Beide haben zwar brav die meisten Waben im aufgesetzten Honigraum ausgebaut, aber zum Eintragen war wohl einfach nichts da. Seit Wochen kein Regen und die Linden haben sie gerade so noch für ihr initiales Wachstum gebraucht. Macht aber nix, schließlich ist mir ein Volk mehr wert als ein paar Kilo Honig – zumindest rede ich mit das jetzt ein. Es war ja auch absehbar, seit Wochen zeigen die Waagen einen stetigen Gewichtsverlust, weil einfach nicht mehr genug reinkommt und das, was kommt, reicht gerade „aus der Hand in den Mund“:

(Volk001, die Sprünge sind v.l.n.r. Honig-Ernte August (-), Futtergabe 1 (+), Futtergabe 2 (+))

Ja, bei Volk 1 war tatsächlich noch etwas Honig zu ernten, zusammen mit den 13kg vom 11.06.2022 und 10kg vom 31.07.2022 rund 23kg – damit kommen wir wohl bis nächstes Jahr über die Runden. Danke Mädels.

Aber damit ist für die Bienen die schönste Zeit „eigentlich“ zuende, während für die Imker der Winter schon jetzt beginnt: Erste Fütterungen, um den durch die Entnahme verursachten unmittelbaren Futterverlust auszugleichen, dann gegen die Varroa-Milbe behandeln und anschließend final für den kommenden Winter auffüttern.

Was mir etwas Sorgen bereitet ist, dass eine Varroa-Behandlung mit Ameisensäure derzeit nicht möglich ist. Bei Temperaturen um 30 Grad und in der Sonne weit darüber wäre der Säuredampf das Ende jedes Volkes. Aber mildere Temperaturen gibt’s derzeit nur in Höhen- oder Küsten-Lagen, wie beispielsweise auf Norderney oder im Hochmoor auf der Hornisgrinde. Bei lauen 20 Grad am Mittag ist die Stille dort wirklich ohrenbetäubend. Hört mal:

Stimmt, nichts zu hören, nichts zu klicken, so ruhig und entspannend war es 🙂

Also warte ich gezwungenermaßen auf kühlere Witterung und ziehe notfalls weitere Teile der Winterfütterung vor. Insgesamt werde ich jedem Volk dieses Jahre wohl um die 25kg Zuckerlösung geben. Das muss, glaube ich, bis Ende September durch sein. Wenigstens soll es laut Wetterbericht und „Varroa-Wetter“ ab 17.08.2022 ein paar Tage Enspannung geben. Die darf ich nicht verpassen.

Kurzer Thema-Wechsel: Etwas, das ich vor ein paar Tagen gelesen habe, stimmt mich nachdenklich und treibt mir Feuchtigkeit in die Hände: „Sie“ arbeiten an einer mRNA-Impfung gegen Varroa.


Wer dieses Themas überdrüssig ist oder meint, mir stünde das an dieser Stelle nicht zu oder es wäre hier unpassend, kann jetzt einfach zum Ende springen bis zum weißen Stern auf schwarzem Grund. Ich bin niemandem böse.

Ich meine nicht die besonderen Züchtungsversuche mit Varroa-resistenteren Bienen, bei denen es den Forschern wohl darauf ankommt, dass „die Honigerträge weiterhin passen“. Die laufen ja schon etwas länger. Und ich meine auch nicht den Zufallsfund der Uni Hohenheim mit Lithiumchlorid aus dem Jahr 2017 über die Wirksamkeit von Lithiumchlorid, was ja wirklich Grund zur Hoffnung geben könnte und worüber zuerst hier und dann immer wieder mal berichtet wurde, beispielsweise hier 2018 und hier 2019 bzw. hier die Info zum Forschungsprojekt EAsyLife mit Lithiumchlorid, das bis Anfang 2024 läuft. Auch bei Wikipedia findet man zu Lithiumchlorid und dessen Wirkung auf Varroa bei Bienenvölkern schon einen kleinen Hinweis.

Ich meine das, was sich angeblich beim Menschen in einem millionenfachen Großversuch ja so toll bewährt und für eine Handvoll Pharmakonzerne mit Unterstützung von Politik, Verbänden und Medien offensichtlich explosiv gelohnt hat: Eine „Impfung“ auf RNA-Basis. Und natürlich bekämpft oder vernichtet man nicht die Milben und geht auch nicht gegen die Ursachen vor, sondern verändert gentechnisch den Wirt. Sie wollen die Bienen „impfen“ – was vielleicht auch wieder auf eine wiederkehrende Medikation hinausläuft, wie wir sie aktuell erleben.

Ich frage mich ernsthaft, ob allen Beteiligten überhaupt klar ist, was das für Folgen das haben kann? Ob sie überhaupt Interesse daran haben, für Klarheit und Transparenz zu sorgen und Schaden zu vermeiden. Selbst wenn so langsam die Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen in den Blick der Öffentlichkeit treten, befürchte ich, dass Politik, Medien und Pharmaindustrie wohl auch hier wieder alles daran setzen, Risiken klein zu reden, Probleme zu vertuschen und den größtmöglichen Profit und Eigennutz zu erzeugen, bevor wir die Konsequenzen spüren und die Stimmung kippt. Die Bienen werden nicht aufbegehren. Sie gehen nicht auf die Straße und protestieren. Sie haben keine Gewerkschaft und nur wenige Fürsprecher. Selbst wenn: wie sich Verbände, Schutzorganisationen und Gerichte in solchen Fragen verhalten, haben wir bei Corona fortlaufend gesehen. Ich kann’s schon hören:

  • diese RNA-Impfung ist nebenwirkungsfrei
  • es gibt keine Spätfolgen
  • der Honig ist sicher
  • das ist keine Gentechnik und überhaupt nicht vergleichbar
  • Ameisen-, Oxalsäure und Thymovar waren ja auch ungefährlich

Wer etwas anderes behauptet, Bedenken oder Zweifel anmeldet oder gar aufbegehrt, der ist dann sicher wieder wissenschaftsfeindlich, rückwärtsgerichtet, altbacken, zukunftsfeindlich, Querdenker, Schwurbler, unsolidarisch und rechtsextrem und muss unbedingt mit allen Mitteln ausgegrenzt werden. Und ganz am Ende dann: Konnten wir nicht wissen, hatten schon immer Zweifel angemeldet, es war ja freiwillig, war damals Stand der Wissenschaft, alternativlos, und so weiter und so weiter. Es ist so frustrierend und mich schaudert der Gedanke an eine solche Zukunft, davor, dass sich Profit- und Machtgeier wieder darauf stürzen und auch auf diesem Feld verantwortungs- und skrupellos vorgehen werden.

Vielleicht brauche ich bald entsprechende Etiketten für meine Honiggläser und ein neues Qualitätsmerkmal:

„mRNA-freier echter deutscher Honig“

[hier der Platzhalter für ein Logo, das ich mir noch ausdenken muss]

Also wenn es irgendwie geht, versuche ich meine Mädels davon zu bewahren. Solange wie möglich. Auch wenn vielleicht niemand den Kontakt mit diesen Wundermitteln auf Dauer vemeiden kann. Nicht einmal ganz oben im Hochmoor auf der Hornisgrinde. Vielleicht in Isolation auf einer Insel wie Norderney. Die haben es ja wirklich schwer mit Kontakt zum Festland – solange noch ein bisschen Wasser dazwischen liegt…

2022-06-19 Christo hilft bei Bullenhitze…

Frauen sollen ja bekanntlich etwas, um nicht zu sagen sehr viel leidensfähiger sein als wir Kollegen auf der männlichen Seite. Vermutlich ist es deshalb eine Königin und kein König, die die Herrschaft im Bienenvolk ausübt. Und Arbeiterinnern statt Arbeiter, die so ein Volk am Laufen halten. Die männlichen Drohnen sind sowieso regelmäßig nur einmal im Jahr zu etwas zu gebrauchen und selbst dann längst nicht immer und nicht alle. Vor allem nicht so viele. Den Rest des Jahres sind sie als faulpelzige Mitesser eher unnütz. Die männliche Drohnenbrut ist sogar als wahrer Milben-Magnet verrufen, weshalb das Herausschneiden frisch verdeckelter Drohnenbrut oft als Varroa-Behandlung zum drastischen Senken des Varroa-Bestands im Volk empfohlen wird.

Und trotz allem war das Pärchen Christo und Jeanne-Claude sehr erfolgreich, mit Frau und Mann, gemeinsam. Mir sind beispielsweise noch gut die Sonnenschirme (1991), der verhüllte Reichstag (1995), die „Floating Piers“ in Italien (2016), „L’Arc de Triomphe“ (2021) im Gedächtnis. Damals gab es ja noch schöne Nachrichten in den Nachrichten – wirklich inspirierend. Aber Schönheit liegt im Auge des Betrachters und das Auge manches Kunstinteressierten oder -uninteressierten sieht darin etwas unnützes (wie Männer und Drohnen) oder spinnertes (wie Imker, Holzmichel, Jäger und andere mehr)…

Na jedenfalls wollte ich bei diesen Temperaturen etwas für die Mädels tun und hatte voll Inspiration ein paar Gedanken dazu angestellt:

  • Sind diese Temperaturen wirklich ein Problem für ein Volk in unseren Breitengraden? Es gibt doch auch in Griechenland und der Türkei Bienenvölker, die damit sicherlich zurecht kommen.
  • Können Bienen aus unseren Breitengraden überhaupt so mit Hitze umgehen, wie vielleicht die in Südspanien, Süditalien oder Griechenland oder sind das nicht ganz andere Rassen?
  • Haben meine Bienen genug Wasserquellen in der Nähe, um eine eventuelle Notkühlung anzuwerfen?
  • Wie gehen Bienen im Inneren der Beute mit solch hohen Temperaturen um?
  • Ab wieviel Grad schmelzen oder rutschen die Waben im Honigraum ganz oben zusammen, wo sich vermutlich die größte Hitze staut?
  • Wäre die Hitze nicht vielleicht sogar hilfreich gegen die Varroa-Milben, die ja bekanntlich ab 42 Grad Celsius sterben oder zumindest unfruchtbar werden? Sagen zumindest einige Hersteller von Hyperthermie-Produkten zur Varroa-Bekämpfung und im Bienenjournal ist auch ein kurzer Artikel dazu.
  • Sollte ich irgendeine Beschattung aufstellen, damit sie zumindest zwischen 1100 Uhr und 1700 Uhr nicht in der prallen Mittagssonne stehen? Und wenn ja: welche?

Ein paar Fundstellen in bekannten Internet-Foren brachten leider das übliche Bild: Da fragt einer 5 Imker und erhält 8 unterschiedliche Meinungen sowie gratis dazu 100-fach abschweifendes, lächerlich machendes und unnützes Feedback und dann?

Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr‘
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
(Johann Wolfgang von Goethe)
(Faust (1808), Der Tragödie erster Teil, Szene: Nacht, Faust allein in seinem gotischen Zimmer)

Am Ende und kurz bevor ich an diesem Punkt angelangte, stieß ich auf ein Video eines bekannten Videobloggers in der Nähe von Kiel, der vor ein paar Jahren und wohl immer noch felsenfest davon überzeugt ist, dass nichts zu tun die beste Lösung sei. Er habe sogar in seinen Styroporbeuten noch nie Probleme gehabt, trotz mancher Bullenhitze.

Nichts tun klingt gut. Einen Sonnenschirm kann und wollte ich nicht aufstellen: Durch Windböen könnte der direkt auf die Beute oder vor das Flugloch fallen und direkt neben der Beute – denn so groß ist ein Sonnenschirmschatten (im Folgenden kurz SoSchiScha) ja nicht wirklich – sehen sie beim Ausfliegen den Himmel nicht mehr. Vermutlich stört ein Schirm also eher.

Ich denke, ich werde mich dem Kieler Kollegen anschließen: Nichts tun. Ist einfach, spart Mühe und Material und wenn’s schiefgeht, bin ich nicht schuld.

Obwohl, es heißt ja: Wenn bei Bienen was schief geht, ist immer der Imker schuld.

Oh Mann, immer diese Entscheidungen…

Also, entscheiden. Und nur um einen Beweis erbringen zu können (Versuch macht kluch), habe mich mich zu folgender Maßnahme durchgerungen:

Christino, Projekt „Wrapped Hive (2022)“

Aus alten Stoffresten 2 Bahnen gerissen, an die Sonnenseiten gehängt, nicht ganz bis zum Boden und ein gutes Stück über dem Flugloch, beschwert mit dem ohnehin obenauf liegenden Stein. Sieht doch cool aus, oder? Ihr dürft mich jetzt Christino nennen, Projekt „Wrapped Hive (2022)“. Ich hätte es auch „Burka Bees“ oder „Niqab Hive“ nennen können, aber die meisten wissen ja, wie ich dazu stehe…

Und siehe da, surprise surprise, die Wirkung blieb nicht aus:

Nachdem die Tage zuvor mit 30 und 33 Grad schon vergleichbar „warm“ waren, stieg die Innentemperatur nach dem Abdecken bei gleicher oder gar höheren Außentemperaturen nicht so stark an. Der Abstand zwischen innen und außen ist geringer und bleibt selbst bei den heutigen knapp 38 Grad im Schatten deutlich unter 40 Grad Celsius!

ok, es könnte auch sein, dass sie sich in den paar Tagen einfach nur daran erinnert haben, wie sie die Innentemperatur mit Fächeln und Verdunstungskälte herunterbringen. Wäre aber schon ein ziemlich komischer Zufall.

Also Mädels: Einfach mal Danke sagen, gesund und friedlich bleiben, mich nicht stechen und fleißig weitersammeln.

2022-06-12 Ein neuer Stern am Himmel…

Der Ende-April-Schwarm hat sich im neuen Zuhause eingelebt und ich führe ihn jetzt als Volk003. Nach entsprechenden Vorarbeiten mit den restlichen, noch aus dem letzten Jahr vorhandenen Rähmchen und ausgestattet mit zweitem Brutraum, Absperrgitter und Honigraum bin ich gespannt, wie sich die Flüchtlinge entwickeln. Hier ein paar Bilder und Videos von den Vorbereitungen und dem Herrichten der Rähmchen mit entsprechenden Mittelwänden:

Den Unterschied zwischen lockeren und gespannten Drähten hört man deutlich:

Und noch das Einlöten (jaja, das Holz ist leicht verzogen und kippelig, aber das geht noch):

Ein paar schöne gleichmäßige Brutfelder konnten wir schon sehen. Notfalls bekommen sie in ein paar Monaten eine neue Königin. Und wer weiß, vielleicht schenken sie mir ja noch ein bisschen Honig dieses Jahr. Das ist bei dem durch Abschwärmen geschwächten Volk ja eher unwahrscheinlich.

Honig? Ja, wie sieht’s denn eigentlich aus? Bei Volk 001 ist am vergangenen Wochenende die erste Honig-Ernte 2022 gelaufen:

  • am Freitag Nachmittag 2 kleine Löffel mitgenommen, geprüft ob 8 mittige Waben verdeckelt sind (die am Rand werden ohnehin noch nicht reif sein), 2 kleine Proben (Wabe 4 und 6 mittig) für Refraktometer entnommen und Wassergehalt geprüft. Ergebnis: unter 16 % – ein toller Wert, erntereif!
  • am Samstag ab 0530 Uhr (naja, so war der Plan, letztlich war’s dann aber doch erst 0730 Uhr)
    • Schleuder, Eimer und Werkzeug bereitstellen, reinigen und desinfizieren, Küche und Boden abdecken
    • 8 Honigwaben mittig entnehmen, schleudern und gleich danach wieder einsetzen – die Linden blühen und da geht ja noch was
    • alle Gerätschaften wieder reinigen und versorgen…

Und dann? Hmm, lasst mich kurz überlegen… ach ja: Beine hoch, ausruhen und genießen…

Merker für August:

  • Nach der letzten Honig-Ernte Honigraum und Absperrgitter abnehmen und die 1. Varroa-Behandlung 2022 (alle 3 Völker) starten. Die MAQS-Ameisensäure-Streifen der vergangenen Jahre wurde jetzt abgelöst durch FORMICpro – gleicher Hersteller (Andermatt Biovet GmbH in Lörrach), gleicher Inhalt (68,2% Ameisensäure), längere Haltbarkeit. Ich will ja nicht unken, aber mal sehen, wie lange dieser Produktname bleibt.
  • Nach den 7 bis 10 Tagen Behandlung einfüttern mit Flüssigfutter ApiInvert. Das sollte bis Mitte September abgeschlossen sein.
  • Nach dem Einfüttern die 2. Varroa-Behandlung, danach den Futterstand nochmal prüfen und ggfs. nochmal nachfüttern.

Übrigens: im vorigen Beitrag „2022-04-30 Schwaaam Alaaam…“ habe ich ganz am Ende noch ein paar weitere Bilder eingefügt, die mir der Nachbar freundlicherweise überlassen hat. Und natürlich hab ich ihm zum Dank und für die Umstände und seine Fotos ein paar Tage später noch ein großes Glas Honig vorbeigebracht. Hier geht’s lang, ganz nach unten scrollen, die letzte Diashow…

2022-04-30 Schwaaam-Alaaam!

Heute wird’s so richtig spannend. Ich kann nicht sagen, man hätte mich nicht gewarnt: die Kippkontrolle bietet eine hohe, aber keine hundertprozentige Gewähr dafür zu erkennen, ob ein Volk in Schwarmstimmung ist oder nicht. Aber wie so oft hat jeder die Hoffnung, nicht zu den restlichen 5 bis 10 Prozent Fehlerquote (Schwarm nicht erkannt) zu gehören. Ich auch. Ein bisschen wie das St. Floriansprinzip

So kam, was wohl irgendwie kommen musste – und ich hoffe, damit bin ich rein statistisch betrachtet für die nächste Zeit bedient: Volk002 ist geschwärmt. Hunderte Bienen haben sich den Bauch mit Proviant vollgeschlagen und sind mit der „alten“ Königin (die sie sich bei Ablegerbildung 2021 selbst gezogen hatten) getürmt.

Als ich den Anruf bekam: „Papa, komm, ich glaub‘ unsere Bienen schwärmen!“ rieb ich mir zunächst verwundert die Augen. War doch die Kippkontrolle am letzten Samstag eindeutig negativ, das Volk völlig unauffällig und auch das Bienenherz meldete keinen Alarm. Kein Brummen, kein Fiepen. Hatten die Mädels das alles still und heimlich im Verborgenen geplant?

Und es ging mir noch einiges mehr durch den Kopf:

  • Liegt die Schwarmlust doch an den Genen einer Nachschaffungs-Königin?
  • Schaffen wir es, sie einzufangen? Ich hab null eigene Erfahrung mit dem Schwarmfang…
  • Oder reichen die paar Internetvideos und Anleitungen?
  • Brauchen wir die Feuerwehr?
  • Und wenn ja: kommen die auch mit der Leiter nah genug ran?
  • Oder lassen wir den Schwarrn besser ziehen, auch wenn ich damit rund 50 EUR verliere und sie keine Chance haben ohne Beute und Imker?
  • Warum hat das Bienenherz mich nicht gewarnt?
  • Wie konnte ich die Weiselzellen übersehen? Reicht Kippkontrolle nicht aus?
  • Was brauche ich alles und wie komme ich jetzt dort hin? Auto mieten?

Egal und genug gegrübelt, schnelles Handeln war gefragt. Glücklicherweise war ein Stadtmobil in der Nähe verfügbar und ich selbst hatte noch eine Zarge mit Gitterboden und Deckeln herumstehen – hat ja schließlich jeder und immer auf Vorrat. Endlich ist sie in Verwendung, Stichwort „totes Kapital“. Zur Vorbereitung nahm ich noch eine Kiste mit vorbereiteten Rähmchen (Mittelwände und Ausgebaute) dazu. Und noch eine Kiste, also eher ein großer Karton, falls etwas schiefgeht. Also 3 Kisten, man weiß ja nie. Dazu den Ganzkörper-Anzug – auch wenn es heißt „ein Schwarm sticht nicht“, eine Wassersprühflasche und eine lange Alustange mit Astschere am Ende. Für alle Eventualitäten gewappnet, so hoffte ich.

Der aufmerksame Leser merkt schon: Da fehlt doch was…

Vor Ort angekommen zuerst ein Blick auf Volk002. Alles ruhig, normaler leichter Flugbetrieb, als wäre nichts gewesen. Aber die Waage zeigt eindeutig über 3 kg plötzlicher Gewichtsverlust:

Ein paar Schritte weiter, Kopf hoch und da hingen sie. Wirklich weit kamen sie ja nicht: 10 Meter weiter auf Nachbars Grundstück war schon Schluss mit Lustig. In der Eibe und etwa 5 Metern Höhe hatten sie sich gesammelt:

Das laute und wilde Summen und Fliegen, das auch die Nachbarn aufgeschreckt hatte, war schon ziemlich abgeklungen und wir machten uns zügig, aber nicht hastig, an die Vorbereitungen. Ich wäre nicht der erste Imker, der in Hetz und Eile vom Baum fällt. Also Leiter mit Bedacht stellen und unterlegen, Sprühflasche mit frischem kaltem Wasser füllen, Schutzanzug anziehen und die Astschere bereithalten. Dann noch gut zielen und abschätzen, wo die Kiste stehen muss, damit der abgesägte Ast mitsamt der Bienentraube genau hineinfällt:

Na denn, rauf die Sprossen, etwas Wasser sprühen. Mist, die sind aber wirklich weit oben. Naja, zur Not nicht ganz so nass, wird schon schiefgehen. Dann die Zweige, die den freien Fall nach unten stören, abzwicken, ein weiterer Schnitt und der Ast saust mit der Traube in die Zarge. Zack. Gut gezielt.

Runter von der Leiter und schauen, ob die Königin mit in der Kiste gelandet ist. Und ob sie nicht vom Ast erschlagen wurde. Da wir sie nicht finden, verlassen wir uns darauf, dass die Bienen ziemlich schnell beginnen zu sterzeln und in die Zarge marschieren.

Bis wir nach oben sehen und am Ast daneben 2 weitere kleine Trauben hängen. Sollte sie noch dort oben sein? Also nochmal hoch, noch zwei drei Schnitte, auch die beiden kleineren Trauben in die Kiste. In die zweite, den Notfall-Karton (jaja, die Sache mit der Redundanz und dem doppelten Boden) und auch diese Bienen mit in die gut gefüllte Zarge geschüttelt. Jetzt müssten wir „eigentlich“ alle haben.

Nach einer knappen Stunde hat sich der Schwarm beruhigt und ist fast gänzlich in die Zarge gewandert. Den Rest noch eingefegt, Deckel drauf und abtransportiert zum neuen Standort. Die Nachbarn sind auch froh, dass wieder Ruhe einkehrt.

Wir platzieren den Schwarm in seiner neuen Beute neben Volk002, aus dem sie geflüchtet waren. Kann man machen, habe ich gelesen, die verfliegen sich jetzt nicht mehr zurück.

Ich gebe ihnen noch ein paar relativ frische, aber ausgebaute Rähmchen, die ich noch vom letzten Jahr habe, damit sie wenigstens ein paar Möbel in ihrem neuen Zuhause haben. Und tags darauf noch ein Leerrähmchen und ein paar Mittelwände. Denn es sind wirklich viele Bienen, wie sich hier mit etwas Phantasie oder Zweifingerzoom erkennen lässt (alle Wabengassen besetzt):

Da das Wetter am Wochenende nicht wirklich sammelfreudig wird und sie ja nicht gleich an den ersten Tagen nach dem Umzug verhungern sollen, spendiere ich ihnen noch ganz hinten ein Futterrähmchen mit etwas Flüssigfutter. Mein Schema und den Einrichtungsplan für neue Möbel in der Beute kennen wir ja bereits:

(Flugloch vorn) M L A A A A A A M M (Futterwabe oder Schied hinten)

Rähmchen mit Mittelwand, Leer, Ausgebaut. Ihr werdet lachen: Ich hab mir mal die Belegung auf einen Zettel notiert und mitgenommen, damit ich im ganzen Stress auch wirklich dran denke und nicht einfach alles wild durcheinander hänge. Schließlich steckt da ein durchdachter Plan dahinter. Man wird älter…

A pro pos „älter“: Mir fällt gerade ein, dass ich mal nach dem bestellten Flüssigfutter im 28kg-Großgebinde nachfragen muss. Das war ja schon vor 4 Wochen und ich bunkere das lieber jetzt, bevor der Herbst und die große Nachfrage kommt. Antizyklisch kaufen…

Zum Abschluss war natürlich noch ein Blick in das geschrumpfte Volk002 notwendig:

Kippkontrolle zeigt immer noch keine Weiselzellen und das Volk verhält sich ruhig und unauffällig. Also doch alle Waben ziehen und einzeln durschauen? Naja, muss wohl. Wir heben Honigraum und oberen Brutraum ab, stellen sie beíseite und beginnen im unteren Brutraum. Danach den oberen wieder aufsetzen und durchschauen. Das gestaltet sich „etwas“ schwierig, denn es sind eine Menge Drohnen vorhanden, die mit ihrer Körpergröße eine Suche nach der vergleichsweise ebenso großen Königin nicht gerade erreichtern. Am Ende haben wir keine Königin gesehen aber doch tatsächlich noch 3 Weiselzellen gefunden, eine kleine leere und zwei große. Eine davon sieht nicht ganz ok aus, die brechen wir und letzten Endes verbleibt eine große Weiselzelle im Volk. Das wird wohl die neue werden, wenn wir sie nicht übersehen haben. Daumen drücken.

Am Wochenende werde ich auch Volk001 genauer durchschauen, denn auf noch einen Schwarm habe ich gerade weder Lust, noch Zeit, noch Material, noch Platz zum Aufstellen.

Fazit:

  • Die Kippkontrolle ist bewiesenermaßen nicht zu 100 % zuverlässig.
  • Das Bienenherz alarmiert erwiesenermaßen nicht zu 100 % zuverlässig.
  • Der Gewichtsverlust beim Schwärmen zeigt sich (mit hier 3kg) deutlich auf der Waage.
  • Der Schwarm ist unfallfrei und erfolgreich gefangen, einlogiert und neu aufgestellt.
  • Wenn alles gut verläuft, habe ich demnächst ein Volk003.
  • Von den 3 Weiselzellen in Volk002 haben wir wegen nicht gesichteter Königin 1 belassen.
  • Ich muss mich künftig vorbereiten (große Leiter, Zarge, Gitterboden, Sprühflasche, Kisten, Rähmchen, Astschere).
  • Die drei kleinen Zweige, die der Baum lassen musste, schaden ihm nicht.
  • Die Nachbarn haben sich letztlich sogar etwas über die kleine Actionvorführung gefreut.

Puuh, durchatmen. Für’s erste Mal ganz gut gelaufen, denk ich. Vielen Dank noch an die Nachbarn, meinem mutigen, willigen und fähigen Assistenten und der gesamten Film-Crew.

Lasst mir doch gerne einen Kommentar hier.

Nachtrag: Hier noch ein paar Fotos, dir mir der Nachbar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.