2016-09-25 Letztes Aufbäumen

Es ist zu befürchten, dass dies das letzte warme Wochenende in diesem Jahr mit sommerlichen 25 Grad war. Der Herbst wurde kalendarisch ja bereits am 22. September eingeläutet, aber nachdem sich das Rosenbäumchen in unserem Garten tapfer gegen die zunehmend kühleren Nächte aufbäumt – klar, was soll ein Baum auch sonst schon den lieben langen Tag tun -, zeigen sich trotz fortschreitend braunfleckigen Blättern nochmal wunderschöne weiße Blüten. Auch die Bienen tragen noch Pollen ein und es scheint, als könnte das ewig so weitergehen.

Für mich als Anfängerimker geht mit diesen kleinen Motivationsschüben so langsam aber sicher mein erstes Bienenjahr zu Ende. Ich plane noch, die Beute etwas höher zu stellen – könnte ja sein, dass wir dieses Jahr einen Meter Schnee bekommen. Würde mich zwar wundern, aber sicher ist sicher 😉 Und vielleicht rät mir noch jemand zu einer Milchsäure-Prophylaxe, um das Überleben meines Völkchens zu sichern.

für die Erbsenzähler unter uns habe ich auf der Werkzeug-Seite noch aktuelle technische Daten aktualisiert.

Die vor ein paar Tagen im Ötztal erworbene Kostprobe eines dortigen Imkers werde ich in Kürze und vielleicht noch in diesem Jahre probieren und das Ergebnis dann hier bekanntgeben. Vorschläge zu entsprechenden Testkriterien sind jederzeit willkommen. Aber aktuell ist noch ein Glas von meinem Imkervater offen und in Gebrauch und nachdem Honig bei geeigneter Lagerung (kühl, trocken, dunkel) mindestens 1.000 Jahre haltbar ist, muss ich mir weder Sorgen machen noch irgendwelche Eile an den Tag legen…

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2016-09-13 Nazi-Bienen oder apis masada?

Nachdem in den mittlerweile 12 Tagen der 22. Varroa-Behandlung in diesem Jahr lediglich 3 verendete Milben auf der Schublade zu finden waren, habe ich heute beschlossen, die Behandlung abzubrechen. Wo keine Krankheit ist, muss ich die Kolleginnen auch nicht unnötig plagen.

Außerdem war im Verdunster nur noch eine geringe Menge Ameisensäure und der Rest nahezu restlos ausverdunstet.

Insgesamt verpufften in diesen 12 Tagen knapp 370 ml Säure, was nach Adam Riese einen Durchschnitt von 30 ml pro Tag ergibt. Das ist in Ordnung. Aber dann brachte es das Auszählen der Kollateralschäden ans Licht: 88 verirrte Damen tot auf dem Vlies.

Ich wiederhole:

88 !

Los, ihr Verschwörungstheoretiker, Sprachpolizisten und versplinte Hohlköpfe aller Welt, verein(ig)t euch und sagt mir, was das zu bedeuten hat. Ist das ein Zeichen? Wofür?

  1. Standhafte doppelte Unendlichkeit der Natur? (Meine Meinung: Wohl kaum, denn Bienen haben keine bildliche Vorstellung unseres Zahlensystems und unserer Symbolik für die Unendlichkeit.)
  2. Eine ver(w)irrte Mädelsgruppe, die auf ihrem Shopping-Ausflug nicht mehr den Weg zurück zwischen die schützenden Waben fand? (Meine Meinung: Eher nicht, denn ich konnte weder meterlange Kassenzettel noch abgewetzte Kreditkarten finden, auch keine einzige gefüllte Einkaufstasche und noch weniger herrenlose Herren, die am Männerparkplatz in der Damenabteilung vergessen und zurückgelassen wurden.)
  3. Oder vielleicht der Massensuizid einer größeren Menge von Schnüffel-Junkies aus Protest gegen das zuerst schlechte, dann zu heiße Wetter? (Meine Meinung: Die Belagerung Masadas ist zu lange her, etwas ähnliches wie die im Bild erkennbare römische Belagerungsrampe war nicht vorhanden und selbst Jonestown war 1978 und damit sicherlich keiner einzigen meiner Damen mehr im Gedächtnis.)
  4. Oder habe ich hier etwa ein Volk von strammen Nazi-Bienen, die mir – mangels T- oder Sweat-Shirts mit passendem Aufdruck und der sonst üblichen menschlichen Kommunikation nicht fähig – etwas mitteilen wollten und sich im Kampf gegen das blaue Vlies für ihre Kameradinnen geopfert haben? (Meine Meinung: Tja, so richtig widerlegen kann ich es nicht, wollte ich nicht die Intelligenz meiner Bienen vergleichen mit…)

Egal. Wer’s nicht glaubt: Nachzählen erlaubt! Beide Bilder sind authentisch und ich schwöre – wirklich – bei  meinem Ehrenwort, ich habe keine einzige entfernt, um das Ergebnis zu schönen!

Alle, die jetzt nicht so pingelig sind und bereits eifrig angefangen haben zu zählen, möchte ich jetzt auffordern und ermutigen, an dieser Stelle kurz in stillem Gedenken innezuhalten für die Opfer dieser vergangenen, tragischen, gemeinschaftlichen Selbstaufgaben in höchster seelischer Verzweiflung… (ist mein voller Ernst und ausnahmsweise mal ohne Augenzwinkern)

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2016-09-02 Ich möchte gerne die Chefin sprechen!

Wenn Frauen sich nicht zeigen wollen, dann tun sie das offensichtlich mit viel Erfolg. Nein heißt eben nein. Die diesmal am Nachmittag bei hellem Sonnenschein vorgenommene Durchsicht aller Rähmchen zeigte – nichts. Keine Königin. Auch auf dem Gitterboden – soweit einsehbar – nichts.

Wo steckt die nur? Das Volk ist ruhig, es ist verdeckelte Brut da, es wird Pollen gesammelt,  „eigentlich“ müsste auch eine Chefin da sein… Nun kann und soll man ja auch nicht jeden Tag alles zur Kontrolle herausreißen, aber interessant zu wissen wäre das schon. Insgesamt ergab sich folgendes Bild:

1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 11 12 ->Flugloch
-- -- AA AF FF FF FF BB BB BB FF FF

A = mehr oder weniger im Ausbau für Futteraufnahme
F = Futter eingelagert
B = Brut vorhanden

Also immerhin 3 Rähmchen (6 Seiten) mit verdeckelter Brut. Nur nicht deren Verursacherin. Es ist zum Auswachsen! Deshalb wurden auch meine Verzweiflungslaute, Stoßgebete und Flüche im Video nachträglich durch etwas Angenehmeres ausgetauscht…


 

2016-09-01 Abends werden faule Leute fleißig…

Kurze Vorgeschichte, muss sein: Es wird bekanntermaßen empfohlen, im September (zusätzlich zur ersten im August mit anschließender Fütterung) nochmals eine zweite Varroa-Behandlung durchzuführen, um einen zwischenzeitlichen erneuten Milben-Befall noch rechtzeitig vor den kälteren Tagen zu kurieren. Es gibt dann zwar noch später im Jahr die Möglichkeit mit dem Besprühen mit Milchsäure, aber da aktuell schönes Wetter mit angenehmen (Verdungstungs-)Temperaturen herrscht, lasse ich mir diese Chance natürlich nicht entgehen.

Gestern Abend, bei letzter Dämmerung, dachte ich mir also: „Beginnst du heute noch mit der Ameisensäure, wer weiß, wie lange das Wetter hebt.“ Gesagt, getan: Zu faul zum Umziehen nach dem Motto „ist ja ein ruhiges Völkchen“, flugs den Verdunster mit Vlies und Docht gerichtet, Flasche befüllt und (nur) mit Säure-Handschuhen bewaffnet im mittlerweile Dunkeln statt Dämmrigen ran an die Beute.

Blechdeckel weg, Innendeckel weg, Folie weg… bsss.

Komisch, irgendwie unruhig heute.

Kleines Stück Schutzfolie (für unter den Verdunster, damit sie den nicht festkitten) aufgelegt… bssssss-schwirr.

Ok, Nachricht angekommen, ich beeil‘ mich.

Verdunster aufgesetzt, dabei vorsichtig ein paar Schlafmützen weggeschoben, um sie nicht zu zerquetschen… bsssssssssssSSSSSS-schwirrrrrrrrrrrr.

Flüchten, durchatmen, überlegen: „Weitermachen? Abbrechen? Umziehen? Rauch?“

Ach komm, ist nicht mehr viel, nur noch… bssssssssssssSSSSSSSSS-schwirrrrrrrrrRRRRRRRRR.

Flucht!

Jetzt aber zackig, Futterzarge aufsetzen – SSSSSSSSSS-RRRRRRRRRRR – Flucht.

Folie aufsetzen – Flucht.

Innendeckel drauf  – Flucht.

Schnauf… PAUSE!…Schnauf…

(Der aufmerksame Leser hat aufgepasst:) Und was ist mit dem Blechdeckel?

Den mach‘ ich nachher. Oder Morgen. Auf gar keinen Fall jetzt!

Fazit: Störe niemals deine schlafenden Mädels. Und sei es noch so verlockend. NIEMALS! Ich hätte es eigentlich wissen müssen: Wer spät und im Dunkeln die Tür öffnet, das Licht einschaltet und versucht, leise und still zu sein und sich heimlich hineinzuschleichen, der erlebt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein blaues Wunder und muss damit rechnen, dass er nicht als Ehegatte und Ernährer, Papa und Familienoberhaupt (kurz: treusorgender Macho mit rückständig-klassisch-traditionellen Familienvorstellungen) erkannt sondern unmittelbar und hinterrücks angegriffen wird. Was bin ich froh, dass es keine Nudelhölzer in Bienengröße gibt…

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