2022-04-30 Schwaaam-Alaaam!

Heute wird’s so richtig spannend. Ich kann nicht sagen, man hätte mich nicht gewarnt: die Kippkontrolle bietet eine hohe, aber keine hundertprozentige Gewähr dafür zu erkennen, ob ein Volk in Schwarmstimmung ist oder nicht. Aber wie so oft hat jeder die Hoffnung, nicht zu den restlichen 5 bis 10 Prozent Fehlerquote (Schwarm nicht erkannt) zu gehören. Ich auch. Ein bisschen wie das St. Floriansprinzip

So kam, was wohl irgendwie kommen musste – und ich hoffe, damit bin ich rein statistisch betrachtet für die nächste Zeit bedient: Volk002 ist geschwärmt. Hunderte Bienen haben sich den Bauch mit Proviant vollgeschlagen und sind mit der „alten“ Königin (die sie sich bei Ablegerbildung 2021 selbst gezogen hatten) getürmt.

Als ich den Anruf bekam: „Papa, komm, ich glaub‘ unsere Bienen schwärmen!“ rieb ich mir zunächst verwundert die Augen. War doch die Kippkontrolle am letzten Samstag eindeutig negativ, das Volk völlig unauffällig und auch das Bienenherz meldete keinen Alarm. Kein Brummen, kein Fiepen. Hatten die Mädels das alles still und heimlich im Verborgenen geplant?

Und es ging mir noch einiges mehr durch den Kopf:

  • Liegt die Schwarmlust doch an den Genen einer Nachschaffungs-Königin?
  • Schaffen wir es, sie einzufangen? Ich hab null eigene Erfahrung mit dem Schwarmfang…
  • Oder reichen die paar Internetvideos und Anleitungen?
  • Brauchen wir die Feuerwehr?
  • Und wenn ja: kommen die auch mit der Leiter nah genug ran?
  • Oder lassen wir den Schwarrn besser ziehen, auch wenn ich damit rund 50 EUR verliere und sie keine Chance haben ohne Beute und Imker?
  • Warum hat das Bienenherz mich nicht gewarnt?
  • Wie konnte ich die Weiselzellen übersehen? Reicht Kippkontrolle nicht aus?
  • Was brauche ich alles und wie komme ich jetzt dort hin? Auto mieten?

Egal und genug gegrübelt, schnelles Handeln war gefragt. Glücklicherweise war ein Stadtmobil in der Nähe verfügbar und ich selbst hatte noch eine Zarge mit Gitterboden und Deckeln herumstehen – hat ja schließlich jeder und immer auf Vorrat. Endlich ist sie in Verwendung, Stichwort „totes Kapital“. Zur Vorbereitung nahm ich noch eine Kiste mit vorbereiteten Rähmchen (Mittelwände und Ausgebaute) dazu. Und noch eine Kiste, also eher ein großer Karton, falls etwas schiefgeht. Also 3 Kisten, man weiß ja nie. Dazu den Ganzkörper-Anzug – auch wenn es heißt „ein Schwarm sticht nicht“, eine Wassersprühflasche und eine lange Alustange mit Astschere am Ende. Für alle Eventualitäten gewappnet, so hoffte ich.

Der aufmerksame Leser merkt schon: Da fehlt doch was…

Vor Ort angekommen zuerst ein Blick auf Volk002. Alles ruhig, normaler leichter Flugbetrieb, als wäre nichts gewesen. Aber die Waage zeigt eindeutig über 3 kg plötzlicher Gewichtsverlust:

Ein paar Schritte weiter, Kopf hoch und da hingen sie. Wirklich weit kamen sie ja nicht: 10 Meter weiter auf Nachbars Grundstück war schon Schluss mit Lustig. In der Eibe und etwa 5 Metern Höhe hatten sie sich gesammelt:

Das laute und wilde Summen und Fliegen, das auch die Nachbarn aufgeschreckt hatte, war schon ziemlich abgeklungen und wir machten uns zügig, aber nicht hastig, an die Vorbereitungen. Ich wäre nicht der erste Imker, der in Hetz und Eile vom Baum fällt. Also Leiter mit Bedacht stellen und unterlegen, Sprühflasche mit frischem kaltem Wasser füllen, Schutzanzug anziehen und die Astschere bereithalten. Dann noch gut zielen und abschätzen, wo die Kiste stehen muss, damit der abgesägte Ast mitsamt der Bienentraube genau hineinfällt:

Na denn, rauf die Sprossen, etwas Wasser sprühen. Mist, die sind aber wirklich weit oben. Naja, zur Not nicht ganz so nass, wird schon schiefgehen. Dann die Zweige, die den freien Fall nach unten stören, abzwicken, ein weiterer Schnitt und der Ast saust mit der Traube in die Zarge. Zack. Gut gezielt.

Runter von der Leiter und schauen, ob die Königin mit in der Kiste gelandet ist. Und ob sie nicht vom Ast erschlagen wurde. Da wir sie nicht finden, verlassen wir uns darauf, dass die Bienen ziemlich schnell beginnen zu sterzeln und in die Zarge marschieren.

Bis wir nach oben sehen und am Ast daneben 2 weitere kleine Trauben hängen. Sollte sie noch dort oben sein? Also nochmal hoch, noch zwei drei Schnitte, auch die beiden kleineren Trauben in die Kiste. In die zweite, den Notfall-Karton (jaja, die Sache mit der Redundanz und dem doppelten Boden) und auch diese Bienen mit in die gut gefüllte Zarge geschüttelt. Jetzt müssten wir „eigentlich“ alle haben.

Nach einer knappen Stunde hat sich der Schwarm beruhigt und ist fast gänzlich in die Zarge gewandert. Den Rest noch eingefegt, Deckel drauf und abtransportiert zum neuen Standort. Die Nachbarn sind auch froh, dass wieder Ruhe einkehrt.

Wir platzieren den Schwarm in seiner neuen Beute neben Volk002, aus dem sie geflüchtet waren. Kann man machen, habe ich gelesen, die verfliegen sich jetzt nicht mehr zurück.

Ich gebe ihnen noch ein paar relativ frische, aber ausgebaute Rähmchen, die ich noch vom letzten Jahr habe, damit sie wenigstens ein paar Möbel in ihrem neuen Zuhause haben. Und tags darauf noch ein Leerrähmchen und ein paar Mittelwände. Denn es sind wirklich viele Bienen, wie sich hier mit etwas Phantasie oder Zweifingerzoom erkennen lässt (alle Wabengassen besetzt):

Da das Wetter am Wochenende nicht wirklich sammelfreudig wird und sie ja nicht gleich an den ersten Tagen nach dem Umzug verhungern sollen, spendiere ich ihnen noch ganz hinten ein Futterrähmchen mit etwas Flüssigfutter. Mein Schema und den Einrichtungsplan für neue Möbel in der Beute kennen wir ja bereits:

(Flugloch vorn) M L A A A A A A M M (Futterwabe oder Schied hinten)

Rähmchen mit Mittelwand, Leer, Ausgebaut. Ihr werdet lachen: Ich hab mir mal die Belegung auf einen Zettel notiert und mitgenommen, damit ich im ganzen Stress auch wirklich dran denke und nicht einfach alles wild durcheinander hänge. Schließlich steckt da ein durchdachter Plan dahinter. Man wird älter…

A pro pos „älter“: Mir fällt gerade ein, dass ich mal nach dem bestellten Flüssigfutter im 28kg-Großgebinde nachfragen muss. Das war ja schon vor 4 Wochen und ich bunkere das lieber jetzt, bevor der Herbst und die große Nachfrage kommt. Antizyklisch kaufen…

Zum Abschluss war natürlich noch ein Blick in das geschrumpfte Volk002 notwendig:

Kippkontrolle zeigt immer noch keine Weiselzellen und das Volk verhält sich ruhig und unauffällig. Also doch alle Waben ziehen und einzeln durschauen? Naja, muss wohl. Wir heben Honigraum und oberen Brutraum ab, stellen sie beíseite und beginnen im unteren Brutraum. Danach den oberen wieder aufsetzen und durchschauen. Das gestaltet sich „etwas“ schwierig, denn es sind eine Menge Drohnen vorhanden, die mit ihrer Körpergröße eine Suche nach der vergleichsweise ebenso großen Königin nicht gerade erreichtern. Am Ende haben wir keine Königin gesehen aber doch tatsächlich noch 3 Weiselzellen gefunden, eine kleine leere und zwei große. Eine davon sieht nicht ganz ok aus, die brechen wir und letzten Endes verbleibt eine große Weiselzelle im Volk. Das wird wohl die neue werden, wenn wir sie nicht übersehen haben. Daumen drücken.

Am Wochenende werde ich auch Volk001 genauer durchschauen, denn auf noch einen Schwarm habe ich gerade weder Lust, noch Zeit, noch Material, noch Platz zum Aufstellen.

Fazit:

  • Die Kippkontrolle ist bewiesenermaßen nicht zu 100 % zuverlässig.
  • Das Bienenherz alarmiert erwiesenermaßen nicht zu 100 % zuverlässig.
  • Der Gewichtsverlust beim Schwärmen zeigt sich (mit hier 3kg) deutlich auf der Waage.
  • Der Schwarm ist unfallfrei und erfolgreich gefangen, einlogiert und neu aufgestellt.
  • Wenn alles gut verläuft, habe ich demnächst ein Volk003.
  • Von den 3 Weiselzellen in Volk002 haben wir wegen nicht gesichteter Königin 1 belassen.
  • Ich muss mich künftig vorbereiten (große Leiter, Zarge, Gitterboden, Sprühflasche, Kisten, Rähmchen, Astschere).
  • Die drei kleinen Zweige, die der Baum lassen musste, schaden ihm nicht.
  • Die Nachbarn haben sich letztlich sogar etwas über die kleine Actionvorführung gefreut.

Puuh, durchatmen. Für’s erste Mal ganz gut gelaufen, denk ich. Vielen Dank noch an die Nachbarn, meinem mutigen, willigen und fähigen Assistenten und der gesamten Film-Crew.

Lasst mir doch gerne einen Kommentar hier.

Nachtrag: Hier noch ein paar Fotos, dir mir der Nachbar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

2021-09-25 Schock am Ableger…

Aaaaaah! Alarm! Rote Warnlampen!!!

Adrenalinschub letzte Woche, als noch die Ameisensäurebehandlung beim Ablegervölkchen lief: Bienenherz zeigt roten Status, zusätzlich rote Lampe bei den Bienen und die Königin fährt unter gelber Flagge. Außerdem kontinuierliche Gewichtsabnahme. Erste Gedanken mit Horrorszenarien und Schreckensbildern zucken durch den Kopf:

  • Königin durch Ameisensäurebehandlung oder Stress im Volk verloren?
  • Volk so geschwächt, dass Eindringlinge alle Vorräte ausrauben konnten?
  • Oder so viel Totenfall, dass nichts mehr übrig blieb?

Was ist da los?

Also satteldiehüh, so schnell wie möglich auf den Weg gemacht und nachgeschaut. Bei Ankunft erst mal kurz die Allgemeinsituation beobachtet. Kein Getute, kein Rauschen, vor dem Flugloch etwas Betrieb:

Nächster Schritt: Jacke an, Schleier auf und in die Handschuhe gesprungen. Deckel auf. Blick durch die Folie…

Hmm, sieht irgendwie „normal“ aus. Kein Riesenvolk wie das 001er, das ist klar, sonst wäre es kein junger Ableger. Aber genug Betrieb auf mehreren Wabengassen. Gutes Zeichen außerdem, dass sie Pollen eintragen. Wenn sie sich nicht gegenseitig kurz vor der Landung anrempeln und abschmieren. Sieht man oben im Video – wenn man sich Zeit nimmt und genau hinschaut. Oder die Wiedergabegeschwindigkeit etwas runterdreht. Ab 0:44…

Also erst einmal Entwarnung. Nach der Königin habe ich nicht gesucht, die Behandlung mit Ameisensäure ist schließlich stressig genug und man soll sie ja währenddessen nicht stören. Sonst hat man „wirklich“ ein Problem.

Also durchatmen, zurücklehnen und sich einreden: Die machen das schon. Vertrauen. Das Thema hatten wir ja schon mal.

Um es kurz zu machen: Inzwischen hat sich alles wieder beruhigt. Die Bienen und vor allem ich selbst. Die Temperatur schwankt in gewohntem Tagesrhythmus wie auch bei Volk001 (mit dem Schieber, links Volk1, rechts das Ableger-Volk2

und nachdem ich diese Woche die AS-Behandlung beendet und Winterfutter gegeben habe, sieht es auch beim Gewicht gut und ähnlich wie bei Volk1 aus:

(Die Ausschläge nach oben sind die Futtergaben) Aber auch die Lichtorgel steht wieder auf grün:

Fazit: Ich vermute, die meisten Imker sterben wohl an ICD-10-M50.0+ ( Zervikaler Diskusprolaps) oder ICD-10-I21.9 (Myokardinfarkt).

Also bleibt gelassen, auch wenn die Sache am 27.09.2021 wie erwartet ganz mies für uns ausgeht. Ich wünsche euch und uns eine große, wirklich sehr große Portion Resilienz und eine angenehme Nach-der-Wahl-ist-vor-der-Wahl-Arbeitswoche mit ein paar bienenfreundlichen Sonnenstunden…