2018-04-20 Hey, alle mal zuhören!

Wer kennt ihn nicht, diesen naiven gutmütigen dicklichen Kerl mit Glatze, großen Füßen und Riesenappetit? Nein, nicht Reiner Calmund, den Ex-Coach (Funktionär klingt wohl schöner), der seit einiger Zeit überall zu finden und zu sehen ist, wo man kostenlos vor laufenden Kameras von F- und G-Promis bekocht und begrillt wird! Nein, ich meine den mit dem langen Rüssel und den großen Ohren. Den mit seinen außerordentlich ausgeprägten langen weißen Eckzähnen und der Fähigkeit, pro Zug mal eben 8 bis 10 Liter Flüssigkeit aufzunehmen. Dass er dabei über Infraschall-Laute kommuniziert, die nur entfernt an bayerische Mundart erinnern, weist weder auf die richtige Herkunft noch auf den kleinen blauen knuddeligen Pffft-Schussel aus der Sendung mit der Maus.

Von RVSpieleland - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48307701
Von RVSpieleland – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48307701

Denn der ist ja eindeutig blau und nicht grau, nicht wahr?

Na, klingelt’s trotzdem langsam?

Letzter Hinweis: Törööö!

Okay, ich löse es auf:

BB Ausmalbild
Wer mag, kann das Bild nachher zum Ausmalen drucken – aber bitte erst mal hier weiterlesen. (Quelle: https://www.benjaminbluemchen.de/sites/default/files/bb_malvorlagen_neu.pdf)

So oder ähnlich fühlte ich mich jedenfalls am letzten Wochenende nach einem kurzen Blick in Honigraum und Bienenwaage und 6 Stunden später im Spiegel.

Warum? Naja, nicht wegen des Rüssels, der Fähigkeit zu fliegen oder wegen eventueller Ähnlichkeiten zu seinem doch männlich, gut situiert und recht anmmutig wirkenden Bauchansatz, seiner allseits geschätzten Gutmütigkeit oder seines vermutlich immerwährenden optimistischen Wesens. Und auch das mit dem Infraschall bekomme ich nur mäßig und nur bei entsprechender Grippe auf die Reihe. (Da kann ich vielleicht auch mal eine Hörpobe hier einstellen, klingt dann in etwa wie die markant-sonoren und weiche Stimme von Elmar Gunsch bei seiner abendlichen Wettervorhersage, unbedingt mal auf den link klicken, da erzählt er kurz über lila Wetter und Schmerz…)

Zurück zum Thema – es geht hier ja (glücklicherweise) nicht um meine Begabung als Zoo- und Zirkus-Star oder um Synchronstimmen und Sprecher: Nach einem letzten Blick zum Flugloch meinte also eine summende Gesellin wohl, ich hätte genug und etwas zu viel beobachtet und kam schnurstracks direkt auf mich zugeflogen. Körpersprache, Ton und Blick dieser kleinen Rebellin sprachen Bände. Das sah eindeutig nicht nach „Huch, wer bist denn du? Papa? PAPA???“ aus und so kam eins zum andern: Ich habe die kleine Zimtzicke Prinzessin reflexartig mit der Hand abgewehrt und mich wegduckend zurückgezogen.

Ob mir Nachbarn dabei zuschauten und dachten: „Mann, was für ein zuckendes feiges Weichei!“, weiß ich nicht und will ich auch nicht wissen. Aber ich denke und hoffe, die Leser hier werden das verstehen und können das plötzliche, sehr unangenehme und gesteuerte Gefühl der Bedrohung von Leib und Leben und die daraus folgende blitzartige Entscheidung direkt aus dem Hirnstamm (im Unterschied zum größer definierten Stammhirn) zwischen Flucht und Flucht (…) mündend in einer lediglich oberflächlichen Betrachter panikartig erscheinenden Affekthandlung nachvollziehen.

Bei Frauen übrigens soll die Kampf-oder-Flucht-Reaktion Untersuchungen 1985 zufolge ja schwächer ausgeprägt sein, weshalb sie sich in Gefahrensituationen beispielsweise eher schutzbietenden Gruppen anschließt, um ihren Nachwuchs zu schützen. Aber das sei den weiblichen Lesern hier nur am Rande zur persönlichen Einschätzung und Erklärung vieler alltäglicher Verhaltensweisen beider Geschlechter erwähnt und mitgegeben.

Zurück zur Schlacht: Völlig erschöpft nach heftigstem Kampf auf Biegen, Brechen und Überleben endlich in Sicherheit angekommen – die Kollegin war mir tatsächlich noch einige Meter gefolgt – schmerzte meine linke Helix doch ungewöhnlich heftig und während ich in meinen tiefsten Hirnwindungen nach der umgangssprachlichen Bedeutung dieses Begriffes suchte, um ihn dann hier zu verlinken, und mich daüber ärgerte, so heftig ausgeschlagen und offensichtlich überragiert zu haben, entdeckte ich im Spiegel die Überreste des fiesen Angriffs, die noch im Ohr steckten:

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Die Moral von der Geschicht‘:
Nicht jede Biene sticht.
Erkennen ist die Kunst dabei,
ob sie dich ungeschoren lässt und frei.

Wenn man sie ordentlich vergrätzt,
und sie es sich ins Köpfchen setzt,
dann hat man meistens schon verloren,
selbst nah vor eig’nen sich’ren Toren
ist man nicht sicher vor der Kleinen
macht’s pieks, tut’s weh – es ist zum Weinen.

Das Ohr schwoll an,
die Nacht war lang,
ein Liegen bloß rechtsseitig möglich,
nur so war Schmerz und Pein erträglich.

Am nächsten Tag – man ahnt es schon,
gesichert waren Spott und Hohn.
Der rückgekehrte Bienenheld,
ein Bild, das jedem gut gefällt,
entstellt, ganz rot und arg geschunden,
das Ohr schwoll ab nach 60 Stunden.

Ich nehm’s mir vor, bei Gott ich schwör‘,
das nächste Mal mit Hut und Schleier!
So schütz‘ ich mein Organ Gehör,
reih‘ mich halt ein in die Weicheier.

[ Rhythmus-Wechsel auf Kreuzreim abab bemerkt? Nicht gut? Okay, dann für alle Fans des Paarreims zurück zu aabb ]

Mal seh’n wer mich demnächst begrüßt
den Büro-Morgen mir versüßt,
mit einem kräftigen Törööö!
dem färb‘ ein Aug‘ ich – grün und bleu…

🙂


 

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2017-05-31 Schwergewicht

Das glaubt mir niemand! Ehrlich! Mein Fleischerhaken, den ich an der Kofferwaage habe, um damit die Beute von einer Seite anzuheben um (verdoppelt) deren Gewicht zu ermitteln, hat sich verbogen. Aber nicht, weil ich mit dem Wagen drübergefahren wäre, nein, sondern direkt beim Wiegen der Beute des größeren Volks. Das liegt aktuell für eine Seite bei 33kg, insgesamt also rund 66kg. Wahnsinn. Hätte ich nicht erwartet. Wenn jetzt noch die Kofferwaage schlapp macht und reißt, kommt das Völkchen ins Guiness-Buch.

Das kleinere Volk hat immerhin 44kg Gesamtgewicht, aber nur beim größeren wird oben im Honigraum kräftig gearbeitet, Honig eingelagert und verdeckelt. Und mit der kleinen Honigprobe, die ich heute entnommen habe, liegt der Wassergehalt noch bei zu hohen 19,8%. Aber mit etwas Glück könnte am Wochenende das erste Schleudern anstehen – wenn alle Waben voll sind und der Wassergehalt bei 17% liegt.

Ob ich dazu die Bienenflucht zum Trennen der Bienen einlege oder die Damen einfach (…) abfege, muss ich noch entscheiden. Geplant ist: 4 Waben raus, schleudern, wieder rein, da capo, da capo. Dann könnte der erste Honig… naja, Daumen drücken und abwarten. Notfalls noch eine weitere Woche.

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2017-05-05 Halt! Stehenbleiben!

Kontrolle!

Ja, zugegeben, sie hat etwas länger gedauert, die heutige Durchsicht. Vermutlich bin ich noch zu vorsichtig oder zögerlich und jede einzelne in Eile ge- oder zerquetschte Biene tut mir leid. Für diesen Tag sind 8 Verluste zu beklagen. Bei 2 Völkern mit geschätzten 30.000 Tieren sicher nicht viel und von gefallenen Spänen beim Hobeln mag ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

Wenn ich an den Bericht eines Imkers aus dem Norden Deutschlands denke, in dem er beklagt, dass er jetzt im Mai 2017 zufüttern muss, weil dort so gut wie nichts blüht und keine Tracht zur Verfügung steht, freue ich mich, wenn meine Mädels mit gelben und dunkelroten Hosen nach Hause kommen. Deshalb ist es Zeit, heute auch auf dem kleineren DNM-Volk einen Honigraum aufzusetzen, über Absperrgitter natürlich, damit die Königin gar nicht erst auf die Idee kommt, einen Abstecher in die nur mit Honig zu befüllenden Waben zu unternehmen und dort Brut anzulegen. Und natürlich auch, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, denn die Linden in der Nachbarschaft werden sicher demnächst, spätestens nach den Eisheiligen in die Blüte explodieren.

Die ebenfalls anstehende Suche nach Weiselzellen (vom unzufriedenen oder schwarmtriebigen Volk „wild“ nachgeschaffter Königinnen-Nachwuchs) war in beiden Völkern erfolglos – ein gutes Zeichen und so muss ich für die nächsten Tage nicht mit Verlust durch Ausschwärmen der Hälfte eines Volks mit der Jung-Königin rechnen.

Und – welch Glückes Geschick – ich habe meine beiden Königinnen gesehen: Nr. 23 im DNM-Volk auf Wabe 9 im unteren 1. Brutraum und Nr. 93 im Zander-Volk auf Wabe 3 im oberen 2. Brutraum, jeweils vom Flugloch aus gezählt. Dank Kennzeichnung auf dem Rücken sind beide rechtzeitig aufgefallen und das Einsetzen der entsprechenden Rähmchen erfolgte entsprechen vorsichtig.

Das aktuelle Gewicht liegt ungefähr bei 25kg (Volk 1) und 45kg (Volk 2).

Und hier im Schnelldurchlauf die gesamte Aktion – ich verrate jetzt lieber nicht, wie lange es wirklich gedauert hat, beide Beuten durchzuschauen und danch noch etwas aufzuräumen…


2017-04-22 Neubeginn!

Fast wie Geburtstag und Weihnachten und dabei ist Ostern doch gerade erst vorbei: Trauerphase vorzeitig beendet, restliche Waben liegen zur Hygiene (gegen Wachsmotten) in der Tiefkühltruhe und die Leichen noch als Mahnmal auf der Terrasse. Aber da das Leben weitergeht und wir die Flinte nicht ins Korn werfen – schließlich traf mich keine Schuld – waren Imkervater Klaus und ich heute unterwegs auf der Suche nach einem neuen Bienenvolk. Oder zwei. Aber der Reihe nach.

Ich bin ja bereit, einige Kilometer zu investieren, um mein Ziel weiter zu verfolgen. Ein Kontakt bei einer bekannten Kleinanzeigen- / Tauschbörse war trotz des attraktiven Preises von gerade mal 100,- EUR VB (!) nicht sehr erfolgversprechend, da der Verkäufer sehr wortkarg war und weder wusste, aus welchem Jahr seine Königin stammte noch, was es mit Gesundheitszeugnis und Beutenmaß so auf sich hat. Und wieviele Rähmchen es konkret sind, wollte er auch nicht preisgeben. Ich hatte meinem (schlechten) Gefühl stattgegeben und diesen Kauf erst mal vertagt. Aber Geduld zahlt sich ja bekanntlich aus und allzu lange musste ich dann glücklicherweise gar nicht mehr warten, bis ich eine Antwort auf eine meiner in den letzten Tagen versandten, offensichtlich verzweifelt genug klingenden E-Mail-Anfragen an umliegende Imker- und Bienenzüchtervereine erhalten hatte. Zwar nur eine, ganz kurz, aber die hatte es wirklich in sich. Und verzweifelt war ich ja in der Tat. Und bienenlos noch dazu.

Kurzer Anruf bei der angegebenen Rufnummer also und wir hatten uns kurzfristig auf ein Treffen am heutigen Samstag Mittag verständigt. Es sollten sogar starke 2-zargige Völker mit Königin aus 2016 dabei sein und das Gespräch verlief sehr angenehm und kollegial. Etwas aufgeregt (ja, das gibt’s auch noch ab 50) habe ich das Auto gleich mit allem möglichen Material beladen, denn so ein Bienentransport will gut geplant sein. Leere Beuten, Müllsäcke als Unterlage, Klebeband, den kompletten Imkerkiste mit Haube, Rauch, Spanngurten sowie tausend anderen Hilfsmitteln und Werkzeugen. Ist ja auch nicht gerade ungefährlich, so auf engstem Raum mit geschätzten 30.000 Damen zu reisen, von denen jede auch noch äußerst wirksam bewaffnet ist. Vielleicht so ähnlich wie als Kapitän eines Kreuzfahrtschiffs ausschließlich mit geschiedenen Single-Frauen…

Kurzum: Wir wurden uns schnell einig, bei der Besichtigung zeigten sich 2 starke Völker mit ausreichend Drohnen, Brut und Futter und jeweils 1 gezeichnete Königin aus 2016. das 2-zargige auf Zander- und das 1-zargige auf DNM-Rähmchen. Ich hatte ja bereits meine 2 leeren Beuten (2-zargig) dabei und so konnten wir die Völker schnell umhängen, mit Spanngurten zusammenzurren und die Fluglöcher mit Kreppband zukleben. Und ja, dass die Königinnen jeweils mit umgezogen wurden, haben wir drei sehr genau beachtet.

Alles eingeladen und verstaut, bezahlt, Gesundheitszeugnis erhalten und los ging’s. Auf dem Weg nach Hause dann eine kurze Panikattacke, weil sich 2 Bienen im Kofferraum und am Dachhimmel zeigten. Aber die zwei Beuten waren dicht und fest verschnürt, es müssen sich wohl zwei beim Einladen ins Auto verirrt haben.

Zuhause angekommen war der neue Standort bereits mit Steinen und Latten vorbereitet und die Beuten schnell aufgestellt. Restliche Rähmchen mit Mittelwänden versehen, das 2-zargige Volk unter Einsatz von etwas Rauch mit Absperrgitter und Honigraum versehen (jetzt also 3-zargiges Wirtschaftsvolk) und danach das 1-zargige DNM-Volk mittels zweiter Zarge und Rähmchen um einen Brutraum zu einem 2-zargigen Volk umgewandelt. Erweiterung um einen Honigraum folgt noch, sobald der Brutraum angenommen wurde. Und vielleicht gibt es dieses Jahr doch noch etwas Honig, die Lindenbäume im Viertel haben ja noch nicht geblüht.

Bei der Gelegenheit haben 2 Netzteile den Geist aufgegeben und ich habe die Mittelwände kurzerhand mit einer ausgedienten Motorrad-Batterie eingelötet. Hätte ich schon früher drauf kommen können, denn damit genügen 4 kurze Kontaktstöße und die Drähte schmelzen ins Wachs, im Vergleich zu 30 Sekunden und mehr mit dem schwächsten der drei Steckernetzteile. Aber ich denke es dürfte eher selten vorkommen, dass irgendwo ein anderer Imker mit einer ausgedienten Motorrad-Batterie in neuester Geltechnik für knappe 90 EUR seine Mittelwände lötet – POWER nur vom Feinsten 😉

Fluglöcher sind geöffnet (weit) und ich bin gespannt, wie sich der Flugverkehr morgen gestaltet. Wenn die Temperaturen stimmen. Vorausgesagt sind ja nur 1 bis 12° C, also voraussichtlich eher wenig Aktivität zu erwarten.

War das heute jetzt Glück oder Schicksal? Egal, die Freude ist natürlich groß und ich bin heute Abend ziemlich glücklich. [Erzählt das bloß nicht meiner Frau!]

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Einen ersten Begrüßungsstich gab’s auch für mich. Diesmal in den linken Waden. Und während ich dies schreibe, ist schon fast nichts mehr davon zu sehen. Schon wieder Glück gehabt. Aber ich bin ja auch selbst schuld: Eine von zwei ganz wunderfitzigen Mädels, die in der kurzen Zeit während des Aufstellens entwischt waren, landete auf meinem Bein und ich hatte sie beim Bücken in die Hocke zerquetscht. Fast genau der gleiche Vorgang wie bei meinem ersten und bislang einzigen Stich 2016. Tut mir leid, Schussel 🙂